In der Berlinserie ging es in Teil 5 um den "Roten Hering", die sogenannte "Ignoratio Elenchi", eine aus der griechischen Antike entlehnte rhetorische Figur. Zur Erinnerung hier nochmal ganz kurz die Zusammenfassung:
"Das lateinische "ignoratio elenchi" könnte man auch als das "Unterschieben einer These" bezeichnen. Es hadelt sich um einen logischen Fehler, der dadurch entsteht, dass man im Verlaufe der Beweisführung eine andere These beweist, als die, die es zu beweisen gilt. Dabei ist die Argumentation zwar logisch, aber dennoch falsch"
In der Politik findet man derartiges Vorgehen relativ häufig: Um den jeweiligen politischen Gegner rhetorisch "auszuhebeln". Die Antwort eines "Ignoratio Elenchi" Politikers scheint für das Auditorium logisch, ja der Politiker erscheint vielleicht sogar als derjenige, der die stringentere Argumentation hat, aber er weicht in Wirklichkeit einer möglicherweise für ihn ungünstigen Fragestellung aus.
Wir sammeln hier nun Alltagsbeobachtungen, denn z.B. auch die Werbeindustrie setzt beinahe ausnahmslos diese Methode ein, um ein eigentlich ziemlich sinnloses Produkt als wirklich toll erscheinen zu lassen. Ja eigentlich ist die "Ignoratio Elenchi" so weit verbreitet, dass sie vielleicht schon von Kleinkindern und Haustieren, vorzugsweise Katzen, eingesetzt wird. Sie ist vielleicht sogar ein Werkzeug der Evolution.
Alle folgenden Beobachtungen haben tatsächlich stattgefunden:

Kommt ein Mann in einen Imbiss und bestellt eine Bratwurst. Schon der Name der Bratwurst weist darauf hin, dass sie gebraten werden soll. Die These, die die rohe Bratwurst aufstellt, ist vor allem die nach ihrer Zubereitung, jedenfalls in unserem philosophischen Kontext. Dieses Beispiel ist recht einfach, die einzig mögliche Form der Zubereitung ist das Braten. Der Mann wartet also, in einem unbemerkten Moment versenkt der Angestellte des Imbisses die Bratwurst in der Friteuse, die Wurst wird also fritiert und nicht gebraten. Der Vorgang des Fritierens hat aber durchaus etwas mit dem des Bratens gemein, denn in beiden Fällen wird Fett soweit erhitzt, dass z.B. eine Bratwurst darin zubereitet werden kann. Das Braten unterscheidet sich vom Frittieren vor allem durch die Menge des zugegebenen Fettes und die Temperatur (Theoretisch könnte man mit ein wenig Geschick auch in der Friteuse braten.). Die Bratwurst in der Friteuse ist irgendwann "fertig", nun sieht der Kunde, dass der Angestellte die Wurst aus dem Fett der Friteuse zieht, der Kunde fragt nach, darauf antwortet der Angestellte, dass hier die Bratwurst eben frittiert wird, ergo zur Friteusenwurst wird. Ein beinahe schon als klassisch zu bezeichnender Fall eines "Roten Herings", der diesmal eine durch und durch mit Fett vollgesogene Bratwurst war. Der Angestellte hat also die These auf seine eigene Art beantwortet, hat sein Geld kassiert, und der Kunde hatte zwar eine Bratwurst, die aber eben nun gelutscht werden konnte. Es wäre dem Kunden nun rein rhetorisch garnicht so leicht gefallen eine Gegenargumentation aufzubauen, denn schließlich hat er ja die Wurst gekauft - die Zubereitung wird ja nirgends direkt definiert, sondern als Grundthese vorausgesetzt. Der Angestellte ist also scheinbar clever, obschon er die These der Zubereitung falsch beantwortet hat. Bilanzierend sieht man, und dies ist wichtig, charakterisiert es doch die Fehlerhaftigkeit, dass das richtige Ergebnis besser schmeckt, so ist die Friteusenlutschwurst genau wie die Schlussfolgerung aus einer untergeschobenen These wenig genießbar. Ja, Ja - jetzt kommen die Neunmalklugen und sagen, mir schmeckt die frittierte Wurst aber besser - ha - da haben wir sie dann gleich bei einem kaskadierenden "Roten Hering" erwischt, der offensichtlich macht, dass sie von Philosophie soviel verstehen, wie das, der Wurst zugrunde liegende Schwein, vom Fechten.
Feinsinnig wie wir nun einmal sind, könnte man nun kurz auf die Frage der Rostbratwurst eingehen, die ja gegrillt oder gebraten wird, hier muss man sehen, dass, das Grillen zwischen Steinzeit und etwa den 1960er Jahren ziemlich aus der Mode gekommen war, deshalb die Hilfskonstruktion Rost (Grill) Brat (Brat) Wurst - also eine kombinierte Grillwurst / Bratwurst, dies ist Dialektik pur (bzw. roh), also korrekt, soweit man den Materialisten folgt, denn Rost ist eine These/Antithese wie auch das Brat eine These/Antithese ist, so bildet der Name hier eine Synthese der theoretischen Zubereitungsmöglickeiten, die durch die tatsächliche Ausführung zur Verwirklichung gelangt. Unsere Friteusenlutschwurst bleibt, gerade auch vor diesem Horizont, aber eine "Ignoratio Elenchi", bis jemand die Friteusenwurst erfindet, oder eine Bratfriteuse.
Übrigens: Der Idealist dagegen würde die Bratwurst vielleicht in einen See schmeissen, und darauf hoffen, dass sich das Wasser durch Meditieren in Fett verwandelt, die Wurst aber nicht untergeht, sondern auf der Oberfläche schwimmt, und sich durch den Wind, der die Obefläche des Fettes bewegt so dreht, dass sie von allen Seiten gleichmäßig gebräunt wird. Die Erhitzung des Seefettes könnte durch die Einwirkung bestimmter Sonnenerruptionen erfolgen. Ähnliches täte er es mit der Rost-Brat-Wurst. Usw - aber das ist ein ganz anderes Thema, was wir noch nicht beobachtet haben, so warten wir ab. Es gibt aber Menschen, die den Idealismus für die Mutter aller "Ignoratio Elenchi"s halten, was ihn nicht notwendigerweise selbst zu einer solchen macht.
17.02.2011

Nachdem wir uns die Zubereitungen diverser Würste genauer
angeschaut haben, nun zur Aufbereitung von Daten. Plötzlich
funktionierte mein Internet nicht mehr - der Router wollte
einfach nicht mehr syncronisieren. Es erfolgte nach einigen
sinnlosen Selbstreparaturversuchen der Anruf bei der Hotline.
Es stellte sich heraus, dass es bei mir an einem Treiberupdate
fehlte - von Version 28 musste auf Version 29 upgedated werden.
Die Dame in der Hotline versprach mir, dass sie mir eine CD mit
dem Treiber via Post zuschickt. Dies wäre also die Aufbereitungsform
CD - die mit ziemlich viel Aufwand verbunden ist:
1. CD herstellen
2. CD mit Treiber bespielen
3. CD labeln und verpacken
4. CD an Provider schicken
5. CD von Provider an mich schicken
6. CD ins Laufwerk einlegen
Das verbraucht alles eine Unmenge an Recourccen.
Nun begab ich mich zu
einer Freundin und hatte die Idee, den Treiber im Netz zu suchen, das
allerdings funktionierte zu meiner Überraschung nicht, denn der Treiber
schien ein großes Geheimnis zu sein. In einem Forum fand ich den Hinweis,
dass ich den Treiber auch via Mail eventuell bekommen könnte, also ruf
ich wieder bei der Hotline an und wurde durch den gesamten Konzern hin-
und her gschaltet, bis ich schließlich einen wirklich kompetenten Mitarbeiter
an der Strippe hatte - 5 Minuten später lag der Treiber in meinem Postfach, ab
auf den USB Stick - zurück zum "kaputten" Router, neuer Treiber rein, fertig.
Das alles lag sowiso nur daran, dass ich aus Sicherheitsgründen eine
Remote-Supportschnittstelle abgeschaltet habe, darüber wäre der Treiber
normalerweise automatisch eingespielt worden.
Übrigens kann der Treiber auch an jedes Smartphone verschickt werden.
Die CD kommt wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen irgendwann an, aber eigentlich
könnte ich da gleich einen Bierdeckel draus machen, oder ein Mobilee für meine
Katze, die nun endlich wieder die Katzenvideos bei YouTube schauen kann - denn für
irgendwas braucht man das Netz schließlich ganz bestimmt.
Wofür braucht man das CD Laufwerk in Zeiten des schnellen Internet eigentlich noch - unten im Bilde ein
guter Vorschlag: Ein Program ist installiert, was nichts anderes macht als das CD Laufwerk zu öffnen und
zu schließen - ein wunderbares Spielzeug für Katzen. In der Zwischenzeit kann der Mensch dann lernen, dass man
Daten besitzen kann, was im Vergleich zum Besitz einer CD deutlich flexibler ist.
01.04.2010
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Diesmal eine sehr kurze Ignoratio Elenchi, jedenfalls was den Text angeht, denn der hört hier schon wieder auf, weil er euch dahin schickt.
to-be-continued-