[Update: Evangelikaler will Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Rick Perry ist ausserdem Laienprediger.
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"Leaning on the Everlasting Arms."
What a
fellowship, what a joy divine, leaning
on the everlasting arms;
What a blessedness, what a peace is
mine, leaning on the everlasting
arms.
refrain:
Leaning, leaning, safe and secure from
all alarms;
Leaning, leaning, leaning on the
everlasting
arms.
Oh, how sweet to walk in this pilgrim
way, leaning on the everlasting arms
Oh, how bright the path grows from day
to day, leaning on the everlasting
arms.
What have I to dread, what have I to
fear, leaning on the everlasting arms?
I have blessed peace with my Lord so
near, leaning on the everlasting
arms.
Song Text von Anthony J. Showalter Music von Elisha Hoffman, 1877
Das Lied verweist auf 5. Buch Moses 33:27:
In der Luther Bibel/1912 heisst es:
"Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den
ewigen Armen. Und er wird vor dir her deinen Feind austreiben und sagen:
Sei vertilgt!"
the Night of the Hunter, R.: Charles Laughton, USA, 1955, mit Robert Mitchum, Shelly Winters, Lillian Gish (1)
Nachtrag: 04.05.2011, In der New York Times ist am 03.05.2011 ein absolut Lesenswerter Bericht erschienen, der zeigt, dass es auch ein durchaus nachdenkliches Amerika gibt: "My Sister, My Grief"
Die aktuelle US-Regierung steht unter extremsten Druck und ist durch die Konstellation Senat/Kongress praktisch handlungsunfähig. Die gemeldete völkerrechtswidriege (Selbst wenn es sich um keine offizielle "Kill-Misson" handelte, wie das Weisse Haus heute verkündete, dann muss man doch sagen, dass aus der Organisation der Aktion als geheime Kommandosache mit Spezialkräften, ein solches Ende absehbar und eingeplant war. Ausserdem ist die Tat militärisch völlig sinnlos gewesen, im Gegenteil) Tötung Bin-Ladens ("durch" einen Friedensnobelpreisträger [wo da in der konkreten Praxis der Handlungen übehaupt noch ein Unterschied zwischen dem Vorgehen der CIA und der Terroristen erkennbar sein soll, ist mir sowiso schleierhaft.]) wird an dieser Situation nichts ändern. Die Regierung Obama ist mittlerweie dafür bekannt, dass sie das Spektakel und die Pop-Politik liebt, in der Praxis aber kaum ernstzunehmende Erfolge vorzuweisen hat. Bin-Laden war und ist längst lediglich eine historische Figur ohne jede objektive politische Relevanz jenseits der US-Propaganda, gerade dafür stehen die Unruhen in Nord-Afrika.
Wenn überhaupt "politisch", dann war Bin-Laden eine Figur, die in der muslimischen Welt, auch wenn die Vorgehensweise nur von den wenigsten gutgeheissen wurde, großen Respekt genoss, weil er das Selbstbewustsein der durch Kolonialismus und Imperialismus an den Rand der Globalisierung Gedrängten stärkte. Dies ist eine absolut verständliche und zu respektierende, vorwiegend emotionale Angelegenheit. Gerade deshalb, oder eigentlich nur deshalb, hätte Bin-Laden von Seiten der USA auch Respekt entgegengebracht werden müssen. Nur so wäre die übrige Argumentation aus der Sicht derjeniegen, die Opfer der US-Kriege sind wenigstens halbwegs kongruent. Nun wurde die muslimische Welt erneut mit einer marzialischen Respektlosigkeit überzogen. Dies ist angesichts des Krieges in Afghanistan ein schwerwiegender strategischer Fehler, denn der Rückhalt des Westens wird schwinden. Die USA waren mal wieder der Elefant im Porzellanladen, denn die Annahme man könne in den ausgepressten Kolonialgebieten völlig ohne jede Selbstkritik agieren ist anmaßend, und absolut grotesk.
Und so ist die Erschießung Bin-Ladens nichts als ein Schuss in den Spiegel - der verzweifelte Versuch all die Vernichtung und Zerstörung der letzten 10 Jahre irgendwie als sinnvoll erscheinen zu lassen - erwischt wurde ein Terroristenführer im Altersheim.
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Rechtsstaat? rechts Staat! Foto by beuse 2005
Deshalb, und um überhaupt nicht weiter auf den achso politisch entscheidenden Stich in die Bubble einzugehen, denn dies werden diverse Medien die nächsten Wochen in aller Bandbreite erörten, wie sie es zuvor getan haben - um den Hirngespinsten des "War on Terror" erst zur Wirkmächtigkeit zu verhelfen, kommen wir gleich zu eher hellinistischen Betrachtungen des dargebotenen Schauspiels, kommen wir zur Umnachtung der Jäger:
Fast kommentarlos noch Bilder von den "Feierlichkeiten" in den USA - man stelle sich mal folgendes vor: Das BKA oder der BND erschießt auf dem Territorium Italiens oder Frankreichs einen lang gesuchten Terroristen, ohne jede rechsstaatliche Grundlage, und daraufhin feiern in Berlin tausende in einem Schwarz-Rot-Goldenem Fahnenmeer - absurd. Tatsächlich gibt man so den Terroristen im nachhinein recht, und stellt sich mit ihnen auf eine Stufe, aber das nur nebenbei.
Man kann das aber auch noch anders sehen: Wir haben einen z.B. Kriminellen - den will man festnehmen, um das zu erreichen erschießt man erstmal die gesamte Nachbarschaft, sprengt sämtliche Straßen, die in das Viertel des Kriminellen führen, umstellt das Viertel mit Panzern, dann stürmt man das Haus des Kriminellen und verliert dabei noch ein paar Hundert eigene Beamte und hat weder einen Durchsunungsbefehl noch einen Haftbefehl - schließlich gelingt es nur den Kriminellen auch zu erschießen, und das nach über 10 Jahren "Fahndungs"arbeit - mehr nicht - hinterher stellt sich noch raus, dass der gejagte Kriminellen Boss längst keine Verantwortung mehr trug - die Pressekonferenz auf der der leitende Beamte dieses Vorgehen rechtfertigt, möchte ich jedenfalls nicht verpassen, denn es wird sein letzter Auftritt als leitender Beamter gewesen sein.
Was sind denn die Werte der Demokratie und des Rechtsstaates überhaupt noch "wert", wenn sie wegen Terroristen ausgehebelt werden? Vielleicht ist es ja gerade deshalb Schmidt, der hier einen sinnvollen Kommentar abgab, denn der Terrorismus versucht ja gerade dem bürgerlichen Rechtsstaat nachzuweisen, dass er kein Rechtsstaat ist, das ist die abstrakte Grundidee des Terrorrismus, jenseits aller Ideologie.
Bild:"Whistler's Mother,James McNeill Whistler, 1871, Öl auf Leinwand, Musée d'Orsay, Paris, via wikimedia commons, public domain
Im Falle der USA ist dies nun gelungen. Heute Bin-Laden und morgen irgendein anderer, aus irgendwelchen anderen Gründen. Eine Perspektive kann sich aus solchen Taten nicht ergeben, genausowenig wie sie sich aus den Taten, für die Bin-Laden verantworlich gemacht wurde, ergeben kann.
War es nicht gerade das Nürnberger Tribunal, was uns Deutschen zeigen sollte, dass man eben keinen kurzen Prozess macht, Ruck-Zuck, dass man Leute eben nicht irgendwo an den nächsten Laternenmast knüpft - was auch immer sie getan haben, sie haben das Recht auf einen fairen Prozess, und eine ebensolche Behandlung, alles andere ist Barbarei.
Mich schaudert es zu sehen, wie sich eine bis an die Zähne bewaffnete Macht, die sich zudem in einer schweren Krise befindet und einen assymetrischen 4 Fronten Krieg führt, mit derart archaischen Politikmustern artikuliert. Die Erschießung Bin-Ladens dokumentiert eine Schwäche der USA und keine Stärke. Obama wollte den Spuk den Bush mit angerichtet hatte beenden, doch sein "Exorzismus" unterscheidet sich abstrakt um kein Jota von Bush, er setzt ebenso auf rein propagandistische marzialische Rituale der Macht, da er dies im Namen der Freiheit und des allgemeinen Pop-Populismus tut, zudem vorgibt ein Präsident der Bürgerrechte zu sein, richtet er langfristig wohlmöglich noch größeren Schaden an als Bush.
Obama übersetzt das Spuk- und Trugbild "War on Terror" in "War for Freedom". Er tut dies aus den selben Gründen aus denen es Bush auch tat, einerseits um die Rolle der USA in Mittel- und Nah- Ost zu festigen und andererseits um die Nation mit Krieg und stilisierten "Großfeinden" zu einen, darüberhinaus muss es den USA gelingen die Richtung der Aufstände in Nord-Afrika bestimmen zu können, um trotz aller US-Kriege als Garant der Freiheit wahrgenommen zu werden.Er integriert die Bin-Laden Vorfälle auch direkt in seinen Wahlkamof, und wird den "Schicksalstag 9/11" ebenfalls wiederbeleben, um an der Macht zu bleiben. Er spielt die Bush Klaviatur noch virtuoser als es die Bush-Administration tat. Ein Schicksalstag ist 9/11 allerdings nur für die USA und die Terroristen, die übrige Welt hat unter diesem Mythos der Beiden Antipoden NUR GELITTEN.
Die inoffizielle Linie sieht wahrscheinlich auch vor duch den Schuss in den Spiegel einerseits als wahrer Mr. Accomplished dazustehen, und andererseits den Abzug aus Afghanistan, ohne dass auch nur ein einziges der propagierten Kriegsziele erreicht wurde, also eine Niederlage gegegen die Taliban erfolgte, rechtfertigen zu können. Dies ist bzw. wäre beinahe die Sowjetargumentation, die ja auch nie eine Niederlage eingeräumt hat. Da kommt das Trugbild Bin-Laden, gerade gelegen.
Demokraten spiegeln sich im Antlitz der Republikaner und umgekehrt.
Was bleibt in Erinnerung? "Wir Amerikaner halten zusammen - wir sind ein Volk - wenn es darum geht mit allen Mitteln das Böse aus der Welt zu jagen - We get all these stupid bastard which act against the american dream." - das, genau das ist Amerikas Trauma - sie haben Angst, dass der Welt irgendwann das Böse ausgeht, denn deshalb gibt es die "Nation der Guten", sie sind für den Exorzismus zuständig, und deshalb musste Osama so und nicht anders "zur Strecke gebracht" werden, denn aus dieser Art der Execution lässt sich das nächste Böse destilieren - eine weitere dramarturgische Steigerung im Duell Gut vs. Böse.
Das "Recht" leitet sich so auch nicht aus z.B. Quellen des Humanismus, oder der Moderne ab, sondern, auch und gerade im Falle Obama aus diffusen religiösen Grundmotiven, in denen immer gilt: "Auge um Auge Zahn um Zahn" - schauderhaft - eine selbsterfüllende Prophezeihung.
Dabei hätte es sich Obama viel besser machen können: Er hätte sagen müssen, dass Bin-Laden ein Rentner ist, und dass die neue US-Regierung kein Interesse an der Verfolgung von Trugbildern hat, dass der Krieg in Afghanistan ein Fehler der Busch Regierung war, den man so schnell wie möglich beenden muss, by any means necessary - danach hätte er sinnvolle Wirtschaftsprogramme und ein umfassendes atomares und konventionelles Abrüstungsprogramm auflegen müssen. denn wo sonst kann man in den USA das Budget kürzen.
Dadurch, dass er nun die Tötung Bin-Ladens als relevanten Erfolg feiert, macht er gerade das Gegenteil, er ligitimiert die Kriege seines Vorgängers, er rechtfertigt sie, ja er macht sich zum Vollstrecker der "Bush Ideologie". Obama:Bush - 0:1, denn wer glaubt irgendjemand hätte je gegen Bin-Laden gespielt, der täuscht sich.
(1) Shelly Winters, die hier die Willa Harper spielt, die drastisch an Whistlers Mother, jenem Urbild des statischen und leeren Pilgrim-Heims, anknüpft, aber bewaffnet ist, bringt "Jesus", den Namen der Barmherzigkeit und der Liebe, des Vergebens in den Song, der ja, wie erwähnt, eigentlich auf das "Alte Testament", also den "unnachgiebigen", "unbarmherzigen", "strengen" alttestamentarischen Gott, vor der Vergebung der Sünden am Kreuz durch "Jesus" eingeht. "Jesus" gehört eigentlich nicht in den Song. Der Prediger, mit seiner "Love Hate" - Tätowierung kann nicht in den um die Barmherzigkeit, Liebe und Verzeihung bereicherten Vers der Willa Harper einstimmen - es entsteht eine kaum wahrnehmbare Störung in der Kommunikation von Willa und dem Prediger - er ist der altestamentarische Gott der Höllendrohung. Eine unerreichte und sehr tiefsinnige Auseinandersetzung zwischen Neuem und Altem Testament, in Form einer "Crime" Story, vor dem Hintergrund der dauernd virulenten religiösen "Struggles" der USA. Eine Religiösität die längst eher der Psychologie als der Theologie zugeschlagen werden müsste. Diese Szene verweist also auch auf die oft sehr überzogene Bedeutung des Alten Testaments bei Nordamerikanischen Christen - der kriminelle Laienprediger - "Love - Hate", "Jesus" aber kennt nur "Love" - jedenfalls wenn man das neue Testament in den Mittlepunkt stellt. Die entscheidende Schlüsselszene des grandiosen Films, denn von nun an "Mad dog of a man" weiss Willa, dass der Prediger nichts Gutes will - sie ist gewarnt - "It's a hard world for little things".