Ach ja - bei soviel EuroStress - ganz vergessen wem wir es auch zu verdanken haben, dass wir überhaupt genug Knete haben um den Euro zu retten - dem Herrn Yilmaz und seine Frau - vor 50 Jahren wurde das sogenannte "Anwerbeabkommen" unterzeichnet. Glückwunsch - und Danke!
Herr Yilmaz kam am 25.10.1962 nach Deutschland. Er kam aus Örgülü, einem kleinen Ort im Osten der Türkei, der es knapp auf GoogleMaps geschafft hat.
Herr Yilmaz war alleine, seine Frau blieb noch in Örgülü. Er kam mit
dem Zug aus Wien. Als er auf dem Bahnsteig stand, da warfen Sie eine
Decke um seine Schultern. Sie gaben ihm einen Kaffee aus dem
Schraubverschluss der orangenen Thermokanne, die die
Bahnhofsmissionarin mit sich trug. (hier fehlt aus allgemeiner
deutscher Sicht das „s“ ich lassen es weg, es kommt aus der
Mode, es ist ein stalingradüberlebenden „S“ in
Thermoskanne).
Sie hetzte von Yilmaz zu Yilmaz zu
Yilmaz. weil die Fordwerke gerufen hatten, weil
in Palu ein Büro war in dem sie
Fotos und Prospekte verteilten auf denen man schöne Zimmer sah,
Zimmer mit fließendem Wasser und wärmenden Betten ....
Dann
hörte Herr Yilmaz das Megaphon, er verstand nicht was es schrie.
Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Herr Yilmaz folgte der
Menschentraube, sie gingen hinter dem Megaphon, sie stiegen in einen Bus nach
Köln-Niehl, dort betraten sie das Haus aus dem Prospekt. Das
Haus mit den wärmenden Betten und dem fließenden Wasser, sogar ein Gebetsraum war im Keller, doch das wusste Herr Yilmaz noch
nicht, damals, vor 40 Jahren.
Herr Yilmaz arbeitete dann
lange bei Ford in der Lackierung - nun ist er im Ruhestand. Sein Sohn
macht weiter, im Motorenwerk 3 - seine Frau ist ihm über die
Jahre langsam gestorben.
Herr Yilmaz geht im Vorort spazieren
und schaut auf die gepflegten Vorgärten, viele schöne
Zierpflanzen. Hinter dem Haus, in dem Herr Yilmaz nun wohnt war ein
wildes Grundstück,
einer dieser urbanen Sekundärdschungel
in den die Leute ihren Bauschutt kippen, ihre alten Elektrogeräte
und ihre Zierpflanzenabfälle. Denn wo soviel Zierde ist da muss
weg, was die Zierde stört.
Herr Yilmaz ging eines Tages
mit einer Axt in den Dschungel und räumte auf, er riss Unkraut
und Sträucher raus, er grub eine Fläche von 400m2 um, dass
der schwere schwarze Mutterboden Luft holen konnte.
Herr
Yilmaz sähte aus und zog einen einfachen Zaun. Nun erntet er
zweimal im Jahr, mal Kartoffeln mal Zwiebeln mal Salat was der
deutsche Boden ihm hergibt.
Herr Yilmaz ist angekommen, Herr
Yilmaz hat nun 400m2 Heimat zwischen den Ziergärten.
In
Örgüllü halten sie ihn für einen Deutschen, er
fährt dort nicht mehr hin.