von thonbeuse, oktober 2009, performative installation, Ausstellungsbeteiligung
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erstmals: 25.11.2009 hier veröffentlicht: 19.04.2010 bearbeitet:27.01.2012

:asche: - Performative Installation 2 (reactor)


Fotos

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[ Utøya & Kultur und Klasse & COMPSTAT - "The Wire" ]

[ Mahnmal des Mahnmals ]

[ narrationen des verboten fiktion und konstruktion die vogelsang konversion ]

 

Da uns hier Nachfragen erreichten - wir teilen zu den im Text unten kurz angesprochenen sogenannten Stolpersteinen, die mittlerweile von mehreren unterschiedlichen Künstlern hergestellt und verlegt werden, also ein Gewerbe wurden, die Einschätzung der seinerzeitigen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden Frau Knobloch, deshalb haben wir hier nochmal einen Link zu dieser Stellungnahme untergebracht.



Im Bezug auf die sogenannte "Ordensburg Vogelsang" teilen wir die vom ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, angemerkten Einschätzungen. Die von der Kunsthochschule für Medien Köln herausgegebene Publikation spiegelt, bis auf unseren Abschnitt, nicht unsere Meinung, oder Einschätzung, wir halten sie für wenig sinnvoll, weil sie weiter dazu beiträgt den Ort zu "hypen", weshalb sich dort lediglich ein Verweis auf Google findet, der auf den letztlich relevanten Aspekt der "Konversion" des Ortes verweist, die Analyse der politischen Interessenslagen, die bei der Konversion dieses Ortes entscheidend sind (das Land NRW - auch als Bildungsträger - hat hier eine Schlüsselrolle) vermag mehr über den Stand der NS-Aufbereitung zu sagen, als alles wofür der Ort selbst theoretisch stehen könnte, ein Zitat und eine gänzlich schwarze Seite mit der Aufschrift "getting work done" - die ruinösen Strukturen, die unsere Arbeiten dort kennzeichnen unterstreichen unsere Einschätzung, dass man den Ort verfallen lassen sollte, bzw. bewusst abreissen sollte - zurückbauen sollte, wir halten eine weitere Bespielung des Ortes für falsch  bzw. sie müsste dazu beitragen den Ort in einen ruinösen Zustand übergehen zu lassen, ihn durch die Kunst schrittweise zerstören, verkleinern - um einen kleinen Rest als Gedenkstätte und Dokzentrum zu erhalten.

Die im Rahmen der Aktion "vorübergehend" zurückgelassenen zerkratzten Fenster sind, wie bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht, Zeichen unserer Wut - sie sind kein Mahnmal - nichts "theatralisches" - sie sind Reste einer Aktion. So das war die Kurzfassung - geht doch - und sonst:

 

Sämtliche im Bezug zu unseren Arbeiten stehenden relevanten Texte finden sich ausschließlich innerhalb unserer Website.

Die performative Installation :asche: kreist um Zensur und Verfolgung von Autoren, Journalisten, Künstlern. Sie greift die historischen Bedingungen der "Bücherverbote" während des NS-Faschismus auf. Von diesen Bedingungen ausgehend entsteht ein komplexes, topographisch und zeitlich nomadisierendes Kunstsystem welches letztlich die Liste als ein abstraktes, eigentlich sprachliches, Instrument der Sammlung von Informationen in den Mittelpunkt stellt. Die Konversion des Ortes vogelsang ip, wird als kritische "Vogelsang Konversion" begleitet.


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Die Stränge sind Geschichte, Topographie und Zeit. Die Wirkungen der historischen Ereignisse vervielfältigen sich, sie bewegen sich mehrdimensional in verschiedene Richtungen, von Schnittpunkten der Ereignisse ausgehend, andere Schnittpunkte formend, fortdauernd. Niemals verloren gehend, nur sich wandelnd. Kein Schuldkomplex, kein schlechtes Gewissen, es ist der Lauf der Dinge, die Unerbittlichkeit der vernetzten Wahrnehmung, die in eine immer neue Auseinandersetzung zwingt. Der Wind, sichtbar durch den Staub (Sprache der Erosion) - die unkontrollierbaren, chaotischen Fragmente, die durch das Räderwerk der Auseinandersetzung freigesetzt werden, "Ursuppe" der sich formenden neuen Stränge, vielleicht der Geschmack der Ereignisse, Inkorporation eines Augenblickes, eines Augenblickes der im Moment seiner Realisierung schon wieder erodiert, die Form wechselt, die Ewigkeit ein Treppenwitz der Geschichte. Alles was entsteht ist schon vor seinem Entstehen nur eine Ruine, wie wir selbst.

Wir gehen mit unserer performativen Installation der Frage nach wie Erinnerung und Gedenken aussehen könnte, unsere Position ist dabei ziemlich eindeutig: Geschichte, Ereignisse von "damals" sind keine singulären, in sich geschlossenen Situationen, sie sind Prozesse, die weit in die Gegenwart reichen, in der Zukunft weiter wirken werden. Aufgrund ihres prozesshaften Charakters können diese Ereignisse nicht in Gedenktage gefasst werden, dies kann schnell die Form eines moderne "Ablasshandels" annehmen, die Gedenkstätten werden zu "Kranzabwurfanlagen". Diese leere Erinnerung, verordnete Erinnerung eines "Gedenkestablishments" kann selbst zu einem Teil der Ursachen werden, wenn Geschichte sich wiederholt. Erinnerung ist etwas kontinuirliches, etwas in dauernder Wandlung befindliches.

[Köln mit dem EL-DE Haus zeigt wie Mahnmale auch in einen lebendigen und aktuellen Erinnerungsprozess integriert werden können. Wichtig ist die Mahnmale nicht allein zu lassen, oder nur zu Gedenktagen zu bespielen, was durch das im Artikel vorgestellte Buch gelingt. ]

Nachdem wir die Bücher der Autoren von der "Liste I Schöne Literatur" in einem offiziellen Akt an die Vertreter von vogelsang ip übergaben, haben wir sie in die performative Installation in den verborgenen Räumen auf dem Gelände der ehemaligen "Ordensburg" Vogelsang verbracht.

In den sogenannten "Verborgenen Räumen" befand sich vermutlich das Magazin der Bibliothek der ehemaligen "Ordensburg".

Das Setting

Über einen Zeitraum von acht Wochen haben wir intensiv am Aufbau der Installation gearbeitet. Vorgefunden haben wir einen großen Raum, der durch Holzwände unterteilt war. Diese Holzwände wurden während der Nutzung als "Camp Vogelsang" durch die belgischen Streitkräfte eingebracht. Wir konzentrierten uns auf einen Einbau, die sogenannte Meisterbude. Dies war eine Art "Holzhütte" in der der Schreinermeister sein Quartier hatte. Durch eine Klappe nahm er Aufträge entgegen um diese vor/nach der Ausführung gegenzuzeichnen. Für uns nur ein Symbol der Hierarchie und Kontrolle, ein Ritual. Die vorgefundene Meisterbude haben wir in eine künstliche Ruine verwandelt und in ihrem inneren eine Kabine aus Plexiglas und Stahl errichtet in deren Boden sich vier starke Ventilatoren befanden. Die Kabine durchbrach die Decke der Meisterbude, auch dieser Durchbruch erschien wie ein "Einschlag" war aber ebenfalls künstlich gebaut - er erweckte also nur den Anschein eines "Einschlags", eines "Unfalls". Die Kabine war oben offen, so wurde das in der Performance verwendete Material in die Luft geblasen. Während der Proben bemerkten wir, dass der Effekt relativ gering war, d.H. das meiste Material senkte sich auf das Dach der Meisterbude, aber vertreilte sich nicht ausreichend im gesamten Raum.

Blower Door

Es gibt in der Architektur die sogenannte "BlowerDoor-Messung", mit ihr wird die Dichtigkeit von Dämmung und Fugen etc. ermittelt. Dieser Test brachte uns auf die Idee mit Hilfe von weiteren Öffnungen in der Meisterbude und durch bestimmte Stellungen von Türen, sowie durch den Bau von Stellwänden, die wir vor weitere Türöffnungen brachten, Luftkanäle zu erzeugen, die in Kombination mit den Windbedingungen auf Vogelsang Stömungsverhältnisse erzeugen, die den Staub definitiv unseren Vorstellungen entsprechend verteilen. Dies war auch deshalb ein entscheidender Schritt weil so die Natur als unkalkulierbare chaotische Größe in das Setting der Installation integriert werden konnte.

Abbildung: Blower-Door-Test Quelle:Wikipedia

 

Bereich für das Publikum

Der Publikumsbereich sollte an die klaustrophobische Situation unmittlebar vor einer Deportation erinnern. Eine Art Bahnnof in der man seine letzten Persönlichen Dinge abgibt um über eine Rampe in eine ungewisse Zukunft gezwungen zu werden. Absperrgitter, eine vorgefundene Fallgrube, versperrte Ausgänge, der Eindruck dauernder Überwachung sowie ein seltsames Halbdunkel unterstützten diese Absocht. Das Publikum konnte durch zwei Fernseher und eine Panzerglasscheibe der Performance folgen, die scheinbar das Schicksal des Publikums vorwegnahm.

Das Abtragen des "Klotzes" Vogelsang

Es war für uns wichtig dem monumentalen "Klotz" des Architekten "Klotz" etwas von seiner Wucht zu nehmen, ihn zu skalieren. Hierzu haben wir ihn "angekratzt". Immer wieder sind wir mit einem kleinen Werkzeug über das Gelände gezogen und haben an den Mauern des Kolosses gekratzt,dabei erhielten wir auch einen Gutteil des Materials welches später in der Performance verwendet wurde. Objektiv, aber vor allem in der Imagination ist die "Ordensburg" Vogelsang zu zu Staub geworden, ist von uns gleichsam in einen anderen Aggregatzusatnd überführt worden, in den des Staubes, der sich in alle Winde zerstreut.

Die Performance

Die Performance innerhalb der Installation spielt mit dem Instrument der Liste. Die Performerin verteilt das Material Vogelsangs in den Windstrom der Ventilatoren und Luftkanäle, füttert das Publikum gleichsam mit diesem Staub, der symbolischen Asche. Während dessen trägt Sie kaum verständlich namen von der Liste I Schöne Literatur vor, es könnten aber auch die Namen der im Publikum anwesenden sein, oder irgendwelche anderen Namen. Es findet ein Prozess der Selektion statt. Die Anlage in der Kabine funktioniert ebenfalls als Selektionsapparatur: Je nach Gewicht der in die Apparatur eingebrachten Materialien sinken diese entweder zu Boden, bleiben in der Kabine oder werden über das Kabinendach und die Windkanäle in den gesamten Räumlichkeiten verteilt. Über zwei Aussenmikrophone und ein Mikrophon in der Atemschutzmaske der Performerin werden die Geräusche nach aussen übertragen. Zu beachten ist, dass die Performerindie einzig wirklich geschützte Person ist - nur sie verfügt über Atemschutz. Der Besitz des Atemschutzes gibt ihr eine Machtposition, die über allen anderen steht, die ja den Staub einatmen müssen - verwundbar und verletzbar sind. Manche Teilnehmerinnen verließen die Performance unmittelbar, andere störten sich kaum am Staub, einige nutzten Bekleidung als Munschutz. Das Publikum wird einem darwinistischen Selektionsprozess unterworfen, gleichzeitig werden die Zuschauer vereinzelt, müssen sich um ihre Reaktion kümmern, die Sicht wird schlechter - der Raum wird zur "NoGo Area", lebensfeindlich.(Wir haben das Publikum natürlich vorher darüber aufgeklärt, dass es recht staubig werden wird.)

Geodaten

Credits

Konzept/Durchführung/Installation/Sound
Christine S. Thon & Lars H. Beuse
Assistenz/Dokumentation/Live-Kamera:
Katharina Urbaniak/Silke A. Beuse
Wissenschaftliche Mitarbeit
Silke A. Beuse
HD-Kamera/Interview
Jan Höhe
Bau der modularen/transportablen Plexiglas/Stahlkabine
Bernd Voss (KHM)
Bereitstellung Technik
Ausleihe der KHM/Christian Turner
Besonderer Dank
Gabriele Harzheim und Hausmeister "Rudi" (vogelsang ip)
Leitung der Ausstellung "vogelsang interventionen 2009"
Prof. Julia Scher(KHM), Dr. Susanna Schönberg(KHM), Prof. Marcel Odenbach (KHM)
Julia Schmidt (vogelsang ip), Dr. Christina Threuter (vogelsang ip)
Presse:
Sponsoren ( : asche: ):
school is open BildungsRaumProjekt Uni Köln
hamacher und wexel


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