objekt auf der 28 Meter Ebene des Andreaskirchturmes in Hildesheim, 18 Tiger-Bambusstangen a 3 Meter, 2 Stangen a 1,50 Meter, 1000 Sandwichboxen, 1000 Meter imprägnierter Baumwollfaden, 100 Meter schwarzes geflochtenes Seil, Maße ca. 3x3x4Meter, thonbeuse 2010
Schlagworte (Tags) Experimentelle Räume, Öffentliche Kunst,Intim/Öffentlich,Erinnerungsmuster,Erinnerung/Ritual,Erinnerung/Wandel, Erinnerung,Performative Installation,Archiv,Speicher, Symbol und Wahrnehmung,Objekte,Gewächshaus der Erinnerung,


erstmals: 11.11.9999 hier veröffentlicht: 21.06.2010 bearbeitet:02.05.2012

"Gewächshaus Erinnerung:Erinnerungsmuster "Objekt im Turm"


Fotos


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Radio Tonkuhle 16.06.2010 - Radioreportage - "Gewächshaus der Erinnerungen"


 

Das Objekt im Turm ist der deutlich sichtbare Beginn eines Transformationsprozesses. Aus Tigerbambusstangen und imprägnierten Baumwollfäden, sowie dreieckigen Sandwichboxen haben wir eine Raum in Raum in Raum Struktur erstellt deren intimste Ebene die im MicroRaum der Sandwichboxen abgekapselten Erinnerungsstücke sind.

Bambus ist sehr leicht, lässt sich aber perfekt zu "unendlichen" Strukturen binden, unendlich im Sinne einer "Selbstähnlichkeit" einem Fraktal - hier aus Dreiecken.

Das Video zeigt das Objekt am letzten Tag der Ausstellung als schon die meisten Erinnerungsstücke die Seilbahn runtergegangen waren, das Fadengespinst ist an diesem Tag besoders deutlich erkennbar.

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Das Objekt im Turm ist der deutlich sichtbare Beginn eines Transformationsprozesses. Aus Tigerbambusstangen und imprägnierten Baumwollfäden, sowie dreieckigen Sandwichboxen haben wir eine Raum in Raum in Raum Struktur erstellt deren intimste Ebene die im MicroRaum der Sandwichboxen abgekapselten Erinnerungsstücke sind.

Das Objekt im Turm war zugleich Anlaufstelle für alle die Erinnerungen abgeben wollten.

Die gesammelten Erinnerungen wurden sequenziert, d.h. soweit möglich haben wir die Stücke zerschnitten, zerrissen etc. und über mehrere Boxen verteilt.  Die Speicherung der Stücke in den Sandwichboxen und die Anordnung der Sandwichboxen erfolgte dabei assoziativ.

Entstanden ist eine Art "Nomadenzelt", eine strukturierte Einheit der Erinnerungen, eine leichte und transportable Struktur, die im übertragenen Sinne jeder mit sich führt. Zusammengehalten wurden die Stangen von festen Knoten und einem leichten selbstgespannten Netz aus feineren imprägnierten Baumwollfäden. In das Fadengespinst der Aussenhaut wurden die Erinnerungen in den Sandwichboxen eingehängt. Eine hybrid anmutende Konstruktion, die irgendwo zwischen traditionell wirkende Bauten einer nomadischen Bevölkerung und "spacigen" Elementen changiert. Die Erinnerungen - die eigentliche, unsichtbare "Heimat", dass was wir mitnehmen, was (uneingestanden?) jeden Schritt in die Zukunft prägt, nicht abschüttelbares Konstrukt einer nomadischen Gesellschaft, in der "zu Hause" unterwegs sein bedeutet. Erinnerung ist also etwas nomadisches, etwas in dauernder Wandlung befindliches. Erinnerung ist keine Privatangelegenheit - Erinnerung ist ein kommunikativer Prozess. Erinnerungen wandeln sich, werden immer neu bewertet, Einflüsse von aussen verändern auch die abgespeicherte Erinnerungsinformation selbst.

Wir haben uns für Tigerbambus als Material entschieden weil dieses Material die Prozesse des Erinnerns hervorragend symbolisiert - Flexibilität und Festigkeit, sichbare Wachstumsspuren, eine künstlich, glatt anmutende Oberfläche, etc.. Bambus ist sehr leicht, lässt sich aber perfekt zu "unendlichen" Strukturen binden, unendlich im Sinne einer "Selbstähnlichkeit" einem Fraktal - hier aus Dreiecken. Der gesamte "organische" Aufbau dieses Materials korrespondiert perfekt mit Gedächtnisleistungen des Gehirns. Insbesondere die aberwitzigen, genialen Gerüstkonstruktionen, wie man sie z.B. aus HongKong kennt waren für uns Inspirationsquelle. Tigerbambus bildet zudem deutlich sichtbare dunklere "Pigementierungen" die für eine chaotisch - organische, dennoch sehr künstliche/glatte Optik sorgen.

[ Hier gibt es mehr zum biologischen Aufbau der Bambusstruktur ]

Aus Lautsprechern tönte eine fast ausgestorbene Srache, ein seltsam anmutendes Grundrauschen irgendwo zwischen Sprache und Klang. In jedem Falle der Bedeutung als Sprache beraubt, ein seltsames Kauderwelsch der Erinnerungen.

Der Ort "Kirchturm" ist ein halböffentlicher Raum - dessen Aussenseite praktisch von jedem Punkt Hildesheims gesehen werden kann, da er mit seiner Gesamthöhe von 114 Metern jedes andere Gebäude überragt. Ein seltsames Verhältnis von intim und öffentlich. Das Innere des Raumes selbst ist schwer zu greifen, er ist knapp 20 Meter hoch, in ca. 12 Meter führt ein alter Steg durch den Raum, an einer der Wände sieht man eine alte Treppe, die im Nichts beginnt und auch dort endet. Ein beinahe surrealistisch - abstrakter Raumeindruck - ein Raum ohne Zeit, ohne Ort, ein Raum der "Vergeistigung". Dominiert wird der Raumeindruck durch die hohen gotischen Fenster.

Unsere Konstruktion war trotz ihrer Transparenz und Leichtigkeit extrem präsent, überführte den Raumeindruck für den genauen Beobachter in die halbreale Welt der Erinnerungen, vielleicht der Träume oder Wünsche in jene "Abstraktion" der Wirklichkeit, die unser Leben doch so entscheidend mitbestimmt.

Die Seilbahn, die wir aus diesem Raum heraus gebaut haben setzte sich schließlich mit der erneuten Kontextuierung der Erinnerungen auseinander. Den Türmern gleich versorgten wir von dort oben die unten wartenden mit Nachrichten, Informationen und Erinnerungen. Aber auch die Tatsache, dass es sich um einen evangelischen Kirchturm handelt spielt eine Rolle, denn die Predigt von der Kanzel, das Wort und die Sprache spielt in der Tradition der evangelischen Kirche eine entscheidende Rolle.

 

 

Geodaten

Andreaskirchturm

Credits

 

 

 


Kunsthochschule für Medien Köln
Projektbetreuung: Prof. Johannes Wohnseifer

Besonderer Dank:
Superintendent Aßmann für die freundliche Aufname im Kirchturm und für einen überzeugenden Beitrag zur Theorie des Objekts.
Evangelisch-Lutherische Andreasgemeinde Hildesheim und Michael Fritz sowie Küster Merten für die hervorragende Unterstützung!


Kristin Wiedemann für die Fotos vom Feuerwehreinsatz

Berufsfeuerwehr Hildesheim für die Unterstützung bei der Anbringung der Seilbahn!!


Anna Förster und Joseph Krupp für tatkräftige Unterstützung

Herr Holz für das Interview


Josephine Reinisch und Kristin Wiedemann für die stets freundliche Unterstützung rund um die Organisation.

Stadtmarketing Hildesheim für die Möglichkeit die Videoüberwachung und den Eingangsbereich zu nutzen.

Ehepaar Landreh für ausgezeichnete Unterhaltung und Holundersirup




Jo Köhler und Siggi Stern für alles mögliche.



Press:





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